Zum Hauptinhalt springen

Einzelne Workflow-Abschnitte entwickeln und testen

Was du nach diesem Kapitel kannst: Du kannst Workflow-Abschnitte isoliert entwickeln und testen — ohne Zugriff auf externe Systeme und ohne Produktivdaten zu beeinflussen. Du kennst die beiden zentralen Testwerkzeuge der Plattform und weißt, wann du welches einsetzt.


1. Warum isoliert testen?

Beim Aufbau eines Workflows ist man häufig auf externe Systeme angewiesen — ein IMAP-Postfach, ein SMB Share, ein ERP-System oder eine API. Diese Systeme stehen beim Entwickeln nicht immer zur Verfügung, und selbst wenn sie es tun, möchte man während der Entwicklung keine echten Daten verarbeiten oder versehentlich produktive Prozesse auslösen.

42°OS bietet dafür verschiedene Werkzeuge, mit denen sich Eingangsdaten vollständig simulieren lassen. Zwei davon sind:

  • Manual Message Agent — für beliebige JSON-Strukturen
  • Web Form Agent — für Dateien und strukturierte Formulareingaben

Das Prinzip ist dasselbe: Man baut den zu testenden Workflow-Abschnitt auf, setzt einen dieser Agenten an den Anfang, und kann den Abschnitt so oft ausführen wie nötig — vollständig unabhängig vom späteren Produktivsystem.


2. Manual Message Agent — JSON-Strukturen direkt eingeben

Der Manual Message Agent eignet sich, wenn der Workflow eine JSON-Nachricht als Eingang erwartet und man den Aufbau dieser Nachricht bereits kennt.

Das ist häufig der Fall, wenn:

  • man den Output eines Drittsystems kennt (z. B. eine Webhook-Payload oder den Export aus einem ERP) und diesen testweise durch den Workflow schicken möchte
  • man eine JSON-Struktur aus einem vorherigen Workflow-Abschnitt hat und die nachgelagerte Verarbeitung testen will
  • man schlicht einen manuellen Trigger benötigt, ohne inhaltliche Daten — in diesem Fall kann der Manual Message Agent auch eine leere Message emittieren

Die JSON-Struktur wird direkt in der Agenten-Konfiguration eingegeben und per Klick abgesendet. Für wiederholte Tests kann dieselbe Nachricht beliebig oft erneut emittiert werden — ohne erneute Eingabe.

// Beispiel: Eine bekannte JSON-Struktur manuell einspeisen
{
"invoice_number": "2026-0042",
"supplier": "Muster GmbH",
"amount": 1190.00,
"currency": "EUR",
"due_date": "2026-04-15"
}

3. Web Form Agent — Dateien und Formulareingaben hochladen

Wenn der Workflow eine Datei verarbeiten soll — zum Beispiel ein PDF, ein Excel-Export oder ein Bild — ist der Web Form Agent das richtige Werkzeug.

Über die Agenten-Konfiguration lässt sich ein Web-Formular zusammenstellen. Exemplarische Eingabefelder sind:

  • Datei-Upload — für Dokumente, Bilder, Tabellenkalkulationen etc.
  • Texteingaben — für einzelne Werte oder Freitexte
  • Multiple-Choice — für vorgegebene Auswahloptionen

Pro Agent wird genau ein Web-Formular erstellt. Die URL zu diesem Formular ist in der Agenten-Konfiguration einsehbar und kann direkt im Browser aufgerufen werden. Nach dem Absenden des Formulars wird die hochgeladene Datei bzw. die eingegebenen Daten als Nachricht in den Workflow eingespeist — genau so, als käme sie aus dem späteren Produktivsystem.

💡 Typischer Einsatz: Man möchte die Verarbeitung einer PDF-Rechnung testen, hat aber keinen Zugriff auf das IMAP-Postfach oder möchte keine echten E-Mails ins System einschleusen. Stattdessen lädt man die PDF-Datei einfach über das Web-Formular hoch.


4. Testaufbau in der Praxis

Das Vorgehen ist in beiden Fällen gleich:

  1. Den zu testenden Workflow-Abschnitt aufbauen — alle benötigten Agenten in der gewünschten Reihenfolge verknüpfen.
  2. Einen Manual Message Agent oder Web Form Agent an den Anfang des Abschnitts setzen.
  3. Testdaten eingeben oder hochladen und den Workflow ausführen.
  4. Ergebnis prüfen, Konfiguration anpassen, erneut testen.

Erst wenn der Abschnitt wie gewünscht funktioniert, wird der temporäre Eingabe-Agent durch den produktiven Agenten ersetzt — zum Beispiel den Incoming Mail Agent oder den SMB-Listener.

[Manual Message Agent]  →  [Verarbeitungslogik]  →  [Ausgabe / Speicherung]
↓ (später ersetzen durch)
[Incoming Mail Agent] → [Verarbeitungslogik] → [Ausgabe / Speicherung]

5. Wann welches Werkzeug?

SituationEmpfehlung
Bekannte JSON-Struktur testenManual Message Agent
Datei in den Workflow einspeisenWeb Form Agent
Manueller Trigger ohne InhaltManual Message Agent (leere Message)
Texteingaben oder Auswahlfelder simulierenWeb Form Agent
Kein Zugriff auf das ProduktivsystemBeide Varianten geeignet
Produktivsystem nicht beeinflussenBeide Varianten geeignet

📹 Video zu diesem Kapitel: [Platzhalter — Screencast: Manual Message Agent und Web Form Agent im Einsatz] 📸 Screenshots: [Platzhalter — Agenten-Konfiguration, Web-Formular-URL, Testaufbau]


Vorheriges Kapitel: [[E-Mail-Anhänge korrekt verarbeiten]] Nächstes Kapitel: [[Dateien von SMB Share verarbeiten]]