Zum Hauptinhalt springen

Workflows in Sinnabschnitte aufteilen

Der häufigste Fehler beim Aufbau komplexer Automatisierungen: alles in einem einzigen Workflow. Das Ergebnis ist ein langer, schwer lesbarer Canvas, den nach einigen Wochen niemand mehr ohne Mühe versteht — und in dem ein Fehler im letzten Schritt dazu führt, dass der gesamte Workflow neu gestartet werden muss.

Das Gegenmittel ist einfach: einen komplexen Prozess in logische Sinnabschnitte aufteilen und jeden Abschnitt als eigenen Workflow bauen.


Was ist ein Sinnabschnitt?

Ein Sinnabschnitt ist ein abgeschlossener, wiederverwendbarer Teil eines Prozesses — mit einer klar definierten Eingabe und einer klar definierten Ausgabe.

Ein Beispiel: die automatisierte Verarbeitung eingehender Rechnungen lässt sich in diese Sinnabschnitte zerlegen:

Workflow 1: E-Mail empfangen & Anhang extrahieren

Workflow 2: Rechnungsdaten extrahieren

Workflow 3: Daten ins ERP-System schreiben

Workflow 4: Bestätigungs-E-Mail senden

Jeder dieser Workflows ist eigenständig testbar, unabhängig wartbar und bei Bedarf in anderen Prozessen wiederverwendbar. Wenn das ERP-System wechselt, muss nur Workflow 3 angepasst werden — die anderen bleiben unverändert.


Workflows verbinden: Source und Receiver

Die Übergabe zwischen zwei Workflows funktioniert in 42°OS über eine Source-Receiver-Verbindung:

  • Der letzte Agent im ersten Workflow ist als Source konfiguriert
  • Der erste Agent im zweiten Workflow ist als Receiver konfiguriert

Die Ausgabe des Source-Agents wird automatisch als Eingabe an alle verbundenen Receiver-Agenten übergeben. Die Nachrichtenstruktur bleibt dabei erhalten — alle Felder die im ersten Workflow zusammengestellt wurden, stehen im zweiten Workflow zur Verfügung.

Konfiguration

Im ersten Workflow — letzter Agent als Source einrichten:

  1. Agent öffnen
  2. Verbindungstyp auf Source setzen
  3. Den Ziel-Workflow oder Ziel-Agent auswählen

Im zweiten Workflow — erster Agent als Receiver einrichten:

  1. Agent öffnen
  2. Verbindungstyp auf Receiver setzen
  3. Den Quell-Workflow oder Quell-Agent auswählen

Ein Receiver, viele Sources

Ein Receiver kann von mehreren Source-Agenten befüllt werden. Das ist nützlich wenn derselbe Folge-Workflow von verschiedenen Eingangspunkten aus erreicht werden kann:

Workflow A: E-Mail-Eingang ──→ Receiver: Rechnungsverarbeitung
Workflow B: SMB-Share ────────→ Receiver: Rechnungsverarbeitung
Workflow C: Web-Formular ─────→ Receiver: Rechnungsverarbeitung

Die Rechnungsverarbeitung läuft immer gleich ab — unabhängig davon woher das Dokument kommt.


Vorteile im Überblick

Wartbarkeit — jeder Workflow ist kurz genug um auf einen Blick verstanden zu werden. Änderungen sind lokalisiert.

Testbarkeit — jeder Abschnitt kann isoliert mit einem Manual Message Agent getestet werden, ohne den gesamten Prozess durchlaufen zu müssen.

Wiederverwendbarkeit — ein Workflow zur Datenextraktion kann von mehreren übergeordneten Workflows aufgerufen werden.

Fehlertoleranz — wenn Workflow 3 fehlschlägt, müssen Workflows 1 und 2 nicht erneut durchlaufen werden.


Wann ist ein Abschnitt "sinnvoll"?

Eine gute Faustregel: ein Sinnabschnitt endet dort, wo ein Ergebnis vorliegt das eigenständig Bedeutung hat. Die Extraktion der Rechnungsdaten ist ein solches Ergebnis — sie ist abgeschlossen, prüfbar und kann weitergegeben werden. Die Verbindung zum ERP-System ist ein weiterer Schritt mit einem eigenen, eigenständigen Ergebnis.

Wenn du dir nicht sicher bist ob eine Aufteilung sinnvoll ist, frag dich: Würde ich diesen Schritt auch in einem anderen Prozess brauchen? Wenn ja — eigener Workflow.