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Einheit 1 — Warum Workflows als Text?

Was du nach dieser Einheit weißt: Du kannst einschätzen, wann der Workflow Designer das richtige Werkzeug ist und wann die textbasierte Arbeit schneller zum Ziel führt. Und du weißt, was MCP ist.

Der Designer ist gut — bis er es nicht mehr ist

Der Workflow Designer ist das richtige Werkzeug, wenn du:

  • einen Prozess zum ersten Mal entwirfst und die Struktur noch unklar ist
  • einen bestehenden Workflow verstehen willst — das Bild sagt mehr als 200 Zeilen Text
  • einen einzelnen Agent konfigurierst und die Optionsfelder mit ihren Beschreibungen brauchst
  • jemandem zeigst, was der Workflow tut

Er wird unhandlich, wenn du:

  • denselben Baustein zwanzigmal mit leicht anderen Werten brauchst
  • eine Änderung über mehrere Agents hinweg machst — etwa: alle Zielsysteme von Test auf Produktion umstellen
  • wissen willst, was sich seit der letzten Version geändert hat
  • einen Workflow von einer Umgebung in eine andere überträgst
  • einen kaputten Workflow debuggst und dafür ständig zwischen Canvas, Agent-Detail und Log-Ansicht springst

Was Text besser kann

Ein Workflow als Text ist eine Datei. Und Dateien haben Eigenschaften, die eine Oberfläche nicht hat:

EigenschaftWas das bedeutet
Durchsuchbar„Wo überall steht diese URL?" ist eine Suche, kein Klickmarathon
VergleichbarZwei Versionen nebeneinander zeigen genau, was sich geändert hat
VersionierbarGit kennt jeden Stand, jede Änderung, jeden Grund
WiederholbarEin Muster einmal schreiben, zwanzigmal einsetzen
ÜberprüfbarEin Kollege liest die Änderung in zwei Minuten statt in zwanzig Klicks

Die Sprache, in der 42°flow-Workflows als Text geschrieben werden, heißt TowelScript. Ein kompletter Workflow mit drei Agents sieht so aus:

module academy

flow kontaktanfrage {
node eingang: form {
secret: "academy-kurs6"
}

node extrahieren: ai {
model: "gus:tav"
output_format: "json"
}

node anlegen: http.post {
post_url: "https://api.example.com/contacts"
}

eingang -> extrahieren -> anlegen
}

Das ist derselbe Workflow, den du sonst aus drei Kacheln und zwei Verbindungslinien zusammenklickst.

📸 Screenshot: [Platzhalter — Gegenüberstellung: derselbe Workflow im Canvas und als TowelScript-Quelltext]

Was MCP ist

TowelScript allein ist nur Text. Damit daraus ein laufender Workflow wird, muss ihn jemand an 42°flow schicken. Genau dafür gibt es MCP — das Model Context Protocol.

MCP ist ein offener Standard dafür, wie ein KI-Assistent mit einem externen System spricht. Das Prinzip ist einfach:

  1. Ein System — hier 42°flow — stellt einen MCP-Server bereit. Der Server bietet eine Liste von Werkzeugen an: „Workflow anlegen", „Logs holen", „Quelltext prüfen".
  2. Ein KI-Assistent — hier Claude Code — verbindet sich mit diesem Server und sieht die Werkzeuge.
  3. Du beschreibst in normaler Sprache, was du willst. Der Assistent wählt die passenden Werkzeuge und ruft sie auf.

Der entscheidende Unterschied zu „die KI schreibt mir Code": Der Assistent arbeitet direkt in deinem 42°flow-Konto. Er sieht deine echten Workflows, liest deine echten Logs, deployt in deine echten Projekte. Kein Kopieren, kein Abtippen, kein Medienbruch.

Hinweis

MCP ist nicht 42°flow-spezifisch. Derselbe Standard verbindet Claude Code auch mit Datenbanken, Ticketsystemen oder Dateiablagen. Was du in diesem Kurs über das Zusammenspiel lernst, gilt sinngemäß auch dort.

Wie sich das anfühlt

Statt einer Klickfolge beschreibst du dein Ziel:

„Lege mir einen Workflow an, der ein Webformular mit einem Freitextfeld bereitstellt, den Text per KI auswerten lässt und das Ergebnis an diese API schickt."

Claude Code schlägt dann den Node-Katalog nach, schreibt TowelScript, prüft es, deployt es und meldet die Workflow-ID zurück. Du prüfst das Ergebnis — im Canvas oder per Werkzeugaufruf — und sagst, was noch fehlt.

Das ist der eigentliche Gewinn: Du arbeitest an der Absicht, nicht an der Mechanik. Aber nur, wenn du die Mechanik gut genug verstehst, um das Ergebnis zu beurteilen. Genau dafür ist dieser Kurs da.

Der Assistent hat vollen Zugriff

Über MCP kann Claude Code Workflows anlegen, ändern, ausführen und löschen. Das ist kein Vorschlagsmodus. Behandle diese Verbindung wie einen Admin-Zugang und prüfe, was du bestätigst — mehr dazu in Einheit 11.

Zusammengefasst

AufgabeBesseres Werkzeug
Prozess zum ersten Mal entwerfenDesigner
Bestehenden Workflow verstehenDesigner
Änderung über viele Agents hinwegText + MCP
Wiederkehrende Muster ausrollenText + MCP
Debuggen über mehrere AgentsText + MCP
Versionieren und übergebenText + MCP

In der Praxis wechselst du ständig zwischen beiden. Das ist kein Kompromiss, sondern der Normalfall.

Weiter: Einheit 2 — Claude Code mit 42°flow verbinden