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Einheit 9 — VPN und seine Tücken

Was du nach dieser Einheit weißt: Du verstehst was VPN technisch tut, in welches Subnetz du damit eintrittst — und warum du aus dem VPN heraus manche Dinge nicht kannst, die ein System im internen Netzwerk kann.


Was VPN tut​

VPN (Virtual Private Network) baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen deinem Gerät und einem Netzwerk. Wenn du VPN aktivierst, bekommst du eine zweite IP-Adresse — eine aus dem Zielnetzwerk.

Ohne VPN:
Dein Laptop (185.x.x.x, öffentlich)
│
Internet
│
Kunden-Netzwerk — NICHT erreichbar von außen

Mit VPN:
Dein Laptop (185.x.x.x öffentlich + 192.168.1.200 intern)
│
VPN-Tunnel (verschlüsselt)
│
Kunden-VPN-Gateway
│
Kunden-Netzwerk — jetzt erreichbar

Dein Laptop verhält sich nach dem VPN-Verbindungsaufbau so als wäre er physisch im Büronetzwerk des Kunden.


In welchem Subnetz bist du nach dem VPN?​

Das hängt davon ab wie der VPN-Server konfiguriert ist. Typischerweise bekommst du eine IP aus einem VPN-Adresspool — oft einem separaten Subnetz:

Büronetzwerk:  192.168.1.0/24
Server-Netz: 192.168.2.0/24
VPN-Pool: 192.168.10.0/24 ← deine VPN-IP kommt von hier

Das bedeutet: du bist nicht im Büronetzwerk. Du bist im VPN-Subnetz — mit seinen eigenen Firewall-Regeln.


Die Tücke: VPN ≠ internes System​

Das ist der häufigste Irrtum. "Ich bin per VPN verbunden, also bin ich im internen Netzwerk."

Stimmt — aber nicht vollständig. Du bist in einem Subnetz das Zugriff auf bestimmte interne Ressourcen hat. Aber:

Die Firewall-Regeln für das VPN-Subnetz sind oft restriktiver als für interne Server.

Ein konkretes Szenario:

ERP-Datenbankserver: 192.168.2.100, Port 5432

Firewall-Regeln für Port 5432:
ERLAUBT: Von 192.168.2.0/24 (Server-Subnetz) → OK
ERLAUBT: Von 192.168.1.0/24 (Büro-Subnetz) → OK für bestimmte PCs
BLOCKIERT: Von 192.168.10.0/24 (VPN-Subnetz) → NEIN

Du bist per VPN verbunden, versuchst die Datenbank direkt anzusprechen — und kommst nicht durch. Ein interner Server im Server-Subnetz kann es problemlos.

Warum das wichtig ist:

  • Du testest eine API-Verbindung manuell per VPN — es klappt (du bekommst eine andere VPN-Regel)
  • Du konfigurierst 42°OS auf dem Server — es klappt nicht (42°OS hat eine andere IP, andere Regel)
  • Du schließt daraus: "Die API funktioniert, also liegt der Fehler bei 42°OS" — falsch

Split Tunneling​

Manche VPN-Konfigurationen nutzen Split Tunneling: nur Verkehr zu internen Adressen geht durch den Tunnel, der Rest läuft direkt über deinen normalen Internetanschluss.

Mit Split Tunneling:
192.168.x.x → durch VPN-Tunnel
8.8.8.8, google.com → direkt über deinen ISP

Ohne Split Tunneling läuft nach VPN-Verbindung der gesamte Traffic durch den Tunnel — inklusive normalem Internetzugriff.


Praxis: Warum mein Test klappt, aber 42°OS nicht​

Ich sitze am Laptop, VPN aktiv:
Laptop-VPN-IP: 192.168.10.200
↓
Test: API-Aufruf an 192.168.2.50:443
↓
Firewall: VPN-Subnetz → Port 443 auf .2.50 → ERLAUBT
↓
Ergebnis: Erfolg ✅

42°OS auf Cloud-Server:
Server-IP: 185.42.11.93
↓
API-Aufruf an 192.168.2.50:443
↓
Firewall: Externe IP → Port 443 auf .2.50 → BLOCKIERT (keine Regel)
↓
Ergebnis: Timeout ❌

Diagnose: Die API funktioniert, aber von einer anderen IP. 42°OS braucht eine eigene Firewall-Freigabe für seine spezifische IP.


Weiter: Einheit 10 — Credentials für den API-Zugriff