Zum Hauptinhalt springen

Einheit 11 — API-Dokumentation lesen

Was du nach dieser Einheit weißt: Du kannst Swagger/OpenAPI-Dokumentation lesen, weißt welche Formen von API-Dokumentation es gibt und wie du mit unvollständiger oder veralteter Doku umgehst.


Warum API-Dokumentation oft unbefriedigend ist

Die Realität: Viele APIs sind schlecht dokumentiert. Manche Endpunkte existieren nicht in der Doku, manche Felder sind falsch beschrieben, manche Beispiele sind veraltet. Das ist normal und kein Zeichen eines schlechten Systems — Dokumentation wird häufig als nachrangig behandelt.

Strategien für den Umgang damit:

  • Immer mit einem echten Test (Postman, CURL) verifizieren
  • Die Community fragen (Stack Overflow, GitHub Issues des SDK)
  • Beim Anbieter-Support direkt anfragen
  • Mit einem Netzwerk-Sniffer (z. B. Browser DevTools) schauen was die offizielle App tatsächlich schickt

Dokumentationsformen

Swagger / OpenAPI

Der heutige Standard für maschinell lesbare API-Dokumentation. Eine JSON- oder YAML-Datei beschreibt vollständig alle Endpunkte, Parameter, Request- und Response-Strukturen.

Swagger-Dokumentation ist oft interaktiv erreichbar — du erkennst sie an der URL:

https://api.example.com/swagger
https://api.example.com/api-docs
https://api.example.com/openapi.json

Was du in einer Swagger-Doku findest:

GET /customers/{id}
Beschreibung: Gibt einen einzelnen Kunden zurück

Pfad-Parameter:
id (integer, required): ID des Kunden

Header:
Authorization (string, required): Bearer Token

Antworten:
200: Customer-Objekt
{
"id": integer,
"name": string,
"email": string,
"status": "active" | "inactive"
}
404: Kunde nicht gefunden
401: Nicht authentifiziert

Swagger UI erlaubt es, Anfragen direkt im Browser auszuführen — einmal authentifizieren, dann alle Endpunkte live ausprobieren.


Postman Collections

Viele Anbieter liefern ihre API-Dokumentation als Postman Collection — eine exportierbare Sammlung von vorkonfigurierten Anfragen.

Was eine Postman Collection enthält:

  • Alle relevanten Endpunkte als fertige Requests
  • Beispiel-Payloads
  • Vordefinierte Umgebungsvariablen (Base URL, Token, ...)
  • Manchmal: automatische Tests

Postman Collections werden oft als .json-Datei bereitgestellt oder über einen "Run in Postman"-Button direkt importiert.

Einschränkung: Postman Collections werden vom Anbieter manuell gepflegt — sie können veraltet oder unvollständig sein.


Manuelle Dokumentation (Wiki, PDF, HTML)

Viele ältere Systeme (besonders On-Prem ERP-Systeme) haben Dokumentation als PDF oder Word-Dokument. Typische Probleme:

  • Nur intern verfügbar
  • Versions-spezifisch — Doku für v5 gilt nicht für v6
  • Unvollständig: "weitere Parameter auf Anfrage"
  • Kein Datenwörterbuch für Feldwerte (was bedeutet status: 3?)

Datenwörterbücher

Manche Systeme (SAP, Microsoft Dynamics, größere ERPs) haben ein eingebettetes Datenwörterbuch — eine Dokumentation aller Tabellen, Felder und Wertelisten die nur über das System selbst zugänglich ist.

Das bedeutet: um die API vollständig zu verstehen, brauchst du Zugang zu diesem Tool. Ohne das Tool bleibt die Bedeutung mancher Felder unklar.


Was du beim ersten Lesen einer API-Doku suchst

Schritt 1: Base URL und Versionierung

Base URL: https://api.example.com/v2

Schritt 2: Authentifizierungsverfahren

Authentication: Bearer Token
Token-Endpunkt: POST /auth/token

Schritt 3: Die relevanten Endpunkte Nicht alle lesen — nur die suchen die für deinen Use Case relevant sind.

Schritt 4: Request- und Response-Struktur Welche Felder sind Pflichtfelder? Welche Typen haben sie? Was gibt der Endpunkt zurück?

Schritt 5: Fehler-Codes Welche spezifischen Fehlercodes definiert diese API? Was bedeuten sie?


Weiter: Einheit 12 — Postman: APIs erkunden und testen