Zum Hauptinhalt springen

Wie Systeme zusammenhängen

Software läuft nicht im Vakuum. Jedes System — 42°OS eingeschlossen — ist eingebettet in ein Netzwerk aus Servern, Leitungen, Berechtigungen und anderen Systemen. Dieses Kapitel erklärt die grundlegenden Konzepte: was ein Netzwerk ist, wie Systeme miteinander reden, was eine Firewall tut und warum Berechtigungen überall eine Rolle spielen.


Server und Clients​

Ein Server ist ein Computer der einen Dienst anbietet — er wartet auf Anfragen und beantwortet sie. Ein Client ist jeder der diesen Dienst nutzt, also Anfragen schickt.

Das ist kein starres Konzept: 42°OS ist Client wenn es Daten aus einer Datenbank abruft. Gleichzeitig ist 42°OS Server wenn es einen Webhook-Endpunkt bereitstellt und auf eingehende Anfragen von Drittsystemen wartet.

Drittsystem (Client)  →  schickt Webhook  →  42°OS (Server)
42°OS (Client) → fragt Datenbank ab → Datenbankserver (Server)

IP-Adressen und Hostnamen​

Jedes Gerät in einem Netzwerk hat eine IP-Adresse — eine eindeutige Nummernfolge die es identifiziert, z. B. 192.168.1.50. Im lokalen Unternehmensnetzwerk beginnen IP-Adressen typischerweise mit 192.168. oder 10..

Da sich Nummern schlecht merken lassen, können Geräten auch Hostnamen vergeben werden: erp-server.intern oder fileserver. Ein DNS-Server (Domain Name System) übersetzt den Hostnamen in die zugehörige IP-Adresse — wie ein Telefonbuch.

Wenn 42°OS also host: erp-db.intern konfiguriert hat, fragt es beim DNS-Server nach der IP-Adresse von erp-db.intern und verbindet sich dann mit dieser IP.


Ports — Türen in einen Server​

Ein Server kann viele verschiedene Dienste gleichzeitig anbieten. Ports sind wie nummerierte Türen: jeder Dienst wartet hinter einer bestimmten Tür.

Server 192.168.1.50
├── Port 443 → HTTPS (Weboberfläche)
├── Port 5432 → PostgreSQL (Datenbank)
├── Port 22 → SSH (Fernwartung)
└── Port 25 → SMTP (E-Mail-Versand)

Wenn du 42°OS sagst host: 192.168.1.50, port: 5432, verbindet es sich mit dem PostgreSQL-Dienst auf diesem Server — nicht mit dem Webserver oder dem E-Mail-Server.

Bekannte Standardports:

PortDienst
80HTTP
443HTTPS (verschlüsselt)
22SSH
25SMTP (E-Mail senden)
993IMAP (E-Mail empfangen, verschlüsselt)
5432PostgreSQL
1433Microsoft SQL Server
3306MySQL
445SMB (Fileserver)

Das Netzwerk: LAN, WAN, Internet​

LAN (Local Area Network) ist das lokale Netzwerk eines Unternehmens — alle Computer, Server und Drucker die physisch am selben Standort hängen und direkt miteinander kommunizieren können.

WAN (Wide Area Network) verbindet mehrere Standorte miteinander — z. B. Zentrale und Filiale über eine gemietete Leitung.

Internet ist das globale öffentliche Netzwerk.

Für 42°OS wichtig: Systeme im selben LAN können direkt miteinander kommunizieren. Systeme die über das Internet erreichbar sein sollen, brauchen eine öffentliche IP-Adresse — oder eine gesicherte Verbindung per VPN.


Firewall — der Türsteher​

Eine Firewall prüft jeden eingehenden und ausgehenden Netzwerkverkehr anhand von Regeln: welche Verbindungen sind erlaubt, welche werden blockiert.

Internet → Firewall → internes Netzwerk
↑
prüft jede Verbindung

Für 42°OS bedeutet das: wenn 42°OS auf einem externen Server läuft und auf eine interne Datenbank beim Kunden zugreifen soll, muss die Firewall des Kunden diese Verbindung explizit erlauben — typischerweise:

  • Nur von der IP-Adresse des 42°OS-Servers
  • Nur auf dem Port des jeweiligen Dienstes (z. B. Port 5432)
  • Nur in eine Richtung (eingehend zum Datenbankserver)

Ohne diese Firewall-Freigabe kommt keine Verbindung zustande, egal wie korrekt die Zugangsdaten sind.


VPN — verschlüsselter Tunnel​

Ein VPN (Virtual Private Network) baut einen verschlüsselten Tunnel zwischen zwei Netzwerken oder zwischen einem Gerät und einem Netzwerk auf. Von außen sieht der Datenverkehr verschlüsselt aus — von innen verhält sich das entfernte Netzwerk so als wäre man direkt vor Ort.

Site-to-Site VPN verbindet zwei Netzwerke dauerhaft miteinander — z. B. den Server auf dem 42°OS läuft mit dem internen Netzwerk des Kunden. Beide Seiten sehen sich wie im selben LAN.

42°OS-Server (Rechenzentrum) ←── VPN-Tunnel ───→ Kundennetzwerk (intern)

Client-to-Site VPN verbindet ein einzelnes Gerät mit einem Netzwerk — z. B. ein Laptop der sich von unterwegs ins Büronetz einwählt. Weniger relevant für 42°OS-Deployments, aber relevant wenn Techniker aus der Ferne auf Kundeninstallationen zugreifen.


Berechtigungen: wer darf was​

In einer Unternehmens-IT ist nicht alles für alle zugänglich. Berechtigungen werden auf mehreren Ebenen vergeben:

Netzwerk-Ebene — Firewall-Regeln: welche Systeme dürfen überhaupt mit welchen anderen Systemen kommunizieren?

Betriebssystem-Ebene — Benutzerkonten und Dateisystemrechte: wer darf Dateien lesen, schreiben, ausführen?

Anwendungs-Ebene — Datenbankbenutzer mit gezielten Rechten: SELECT-Rechte auf bestimmten Tabellen, aber kein DELETE.

Active Directory — zentrale Verwaltung von Benutzern, Gruppen und Richtlinien für alle Windows-basierten Systeme im Netzwerk.

Für 42°OS bedeutet das: für jede Integration braucht es ein dediziertes Dienstkonto mit genau den Rechten die nötig sind — nicht mehr. Ein Konto das nur Rechnungen aus dem ERP lesen soll, braucht keine Schreibrechte. Das Prinzip heißt Least Privilege — minimale Berechtigung.


Verschlüsselung: HTTP vs. HTTPS​

HTTP überträgt Daten im Klartext — jeder der den Netzwerkverkehr mitlesen kann, sieht den Inhalt.

HTTPS verschlüsselt die Verbindung per TLS (Transport Layer Security). Der Inhalt ist für Dritte unleserlich.

Für alle produktiven Verbindungen gilt: HTTPS statt HTTP, IMAPS (Port 993) statt IMAP (Port 143), LDAPS statt LDAP. Zugangsdaten die über unverschlüsselte Verbindungen übertragen werden, können abgefangen werden.


Zusammenfassung: Was vor der Integration geklärt werden muss​

Bevor 42°OS an ein bestehendes System angebunden werden kann, braucht es Antworten auf diese Fragen:

FrageWarum wichtig
Welche IP/Hostname hat das System?Damit 42°OS es finden kann
Welcher Port?Damit die richtige Tür angeklopft wird
Gibt es eine Firewall-Freigabe?Ohne Freigabe kommt keine Verbindung durch
Welches Benutzerkonto wird verwendet?Zugangsdaten für den Credential-Store
Welche Rechte hat das Konto?Nur was gebraucht wird, nicht mehr
Ist die Verbindung verschlüsselt?HTTPS/TLS für alle produktiven Verbindungen
Ist VPN nötig?Wenn das System nicht direkt erreichbar ist